Entstehung der LERNFREUNDE - Hintergründe

Tausende Kinder leben mit ihren Familien als Flüchtlinge in Deutschland. Sie mussten ihre Heimat verlassen, sind wehrlose Opfer von Unterdrückung und Gewalt. Ihr Leben wurde durch die Ereignisse im Herkunftsland und durch die oft monatelange Flucht nachhaltig geprägt. In Deutschland angekommen brauchen sie neben der Versorgung mit dem Lebensnotwendigsten vor allem eine neue, kindgerechte Lebensperspektive.

Da die Schulpflicht der Flüchtlingskinder in Baden-Württemberg für sechs Monate ausgesetzt wurde, ist ihr Alltag direkt nach der Einreise unstrukturiert und von Nichtstun geprägt. Flüchtlingskinder leben in Mehrbettzimmern großer Unterkünfte - ohne Platz zum Spielen, ohne Möglichkeit zu lernen oder positive Lebenserfahrungen zu sammeln. Sie sind verunsichert, wissen nicht, wann und wie sich ihre Lebenssituation ändern wird. Nächtliche Polizeiaktionen, in denen die Kinder mit ihren Familien im Rahmen einer Sammelabschiebung abgeschoben werden, gehören zum Alltag und verstärken jene Verunsicherung und Angst. Manche Familien unterschreiben sogar die „freiwillige Rückreise“, um ihre Kinder vor solchen traumatischen Erlebnissen zu bewahren.

Vor diesem Hintergrund brauchen Flüchtlingskinder dringend Zugang zu einem aktiven, kindgerechten Leben. Sie brauchen eine feste Tagesstruktur, Zeit und Möglichkeit zu spielen, zu malen und zu basteln, Anleitung zum Lesen, Schreiben und Rechnen. Sie brauchen verlässliche soziale Kontakte, Erwachsene, die sich ihnen zuwenden und Kinder, die mit ihnen spielen und lernen. Sie brauchen Menschen, die sie als Persönlichkeit wahrnehmen, ihre Stärken erkennen, sie fördern und fordern.

Als im Herbst 2014 die Flüchtlingszahlen in Deutschland stiegen und in zahlreichen Städten Auffanglager entstanden, um der prekären Situation Herr zu werden, wurden auch in Karlsruhe auf dem ehemaligen Gelände der Mackensen-Kaserne zwei Zelte aufgebaut, in denen Asyl-Suchende Platz fanden. Die UNESON-Gründerin und Geschäftsführerin Jasmin I. Sahin organisierte in dieser Zeit sowohl im Umkreis als auch in Karlsruhe das Sammeln und Verteilen von aller Art von Spenden für die Flüchtlingsfamilien und kam bei dieser Tätigkeit am Rande der oben genannten Zeltstadt in Kontakt mit einer KIT-Gruppe, die Flüchtlingskinder betreute.

Schon früh hatte sie erkannt, dass es für die Kinder in der LEA keinerlei schulische Angebote gab und suchte deshalb in ganz Karlsruhe händeringend nach Räumlichkeiten für ein Bildungsangebot, welches diesen Zustand ändern sollte. Nachdem ihr diese unter anderem auf dem Gelände der LEA Felsstraße verwehrt wurden, sollte Jasmin I. Sahin nach langer Suche endlich mit dem alten Verwaltungsgebäude für Notunterkünfte auf dem KIT-Gelände fündig werden, welches das Vorhaben eines Bildungsangebots für Flüchtlingskinder wahr werden lassen konnte.

Und so wurde das LERNFREUNDE-Haus am 14.11.2016 auf dem KIT-Gelände des Campus Ost (Rintheimer Querallee 2, 76131 Karlsruhe) eröffnet. Hier konnten von nun an unterschiedliche Bildungsmaßnahmen in einem kindgerechten und sichern Umfeld erfolgen. UNESON stellt für das Projekt LERNFREUNDE adäquate Räumlichkeiten und die Grundausstattung der Räume mit Mobiliar und den notwendigen technischen Geräten zur Verfügung. Darüber hinaus sorgt das gemeinnützige Kinderhilfswerk für die Sachmittel zur Gestaltung der Bildungseinheiten (Lern- und Bastelmaterialien, Bücher, Papier, etc.). Außerdem sorgt UNESON seit Beginn für die tägliche Beförderung der Kinder und kommt für das tägliche Frühstück und Mittagessen auf.

Im Verlaufe des Projekts etablierten sich im LERNFREUNDE-Haus die zwei Säulen LERNFREUNDE-Vorschule und die Soziale Kleiderkammer.

Konzeption der LERNFREUNDE